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Kommunen wappnen sich gegen Hochwasser und Trockenheit

ILE Main-Steigerwald entwickelt ein integrales Schutzkonzept

Der Dorfname „Lülsfeld“ soll von dem Wort „Lilienfeld“ abgeleitet sein. Daher haben sich die Verantwortlichen in der Gemeinde und viele Ehrenamtliche mächtig angestrengt, dass hier wieder viele verschiedene Lilien wachsen.

Der Dorfname „Lülsfeld“ soll von dem Wort „Lilienfeld“ abgeleitet sein. Daher haben sich die Verantwortlichen in der Gemeinde und viele Ehrenamtliche mächtig angestrengt, dass hier wieder viele verschiedene Lilien wachsen.
© Thomas Heinrichs

Den Anlass bot am 26. Juni 2022 der „Tag der offenen Gartentür“ des Kreisverbandes für Gartenbau und Landespflege Schweinfurt. Eine Attraktion war das von der Gemeinde Lülsfeld angepflanzte Lilienfeld, von denen sich wohl der Ortsname ableitet und die deshalb auch das Wappen der Kommune schmücken. Direkt angrenzend wurde eine neue großzügige Biotopfläche am Bach geschaffen. Schlussendlich geht es Bürgermeister Thomas Heinrichs um mehr: um Wasserrückhalt. Und dafür arbeitet er mit den Kolleginnen und Kollegen in den Rathäusern der ganzen Umgebung – in der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) in der Region Main-Steigerwald – an einem nachhaltigen Konzept für die Zukunft. ILE-Umsetzungsbegleiterin Carina Hein koordiniert die einzelnen Schritte.

Mit einem kräftigen Zuschuss aus dem staatlichen Förderprogramm „FlurNatur“ konnte die Biotop- und Wasserrückhaltefläche beim Lilienfeld auf einer gemeindlichen Fläche terrassenartig gestaltet werden. Wenn der vorbeifließende Bach bei starkem Regen anschwillt und ihm sein Bett nicht mehr genügt, kann auf dieser Fläche Wasser gehalten und gespeichert werden. Ein kleines Projekt, aber ein wichtiger Einzelbeitrag zu dem, was die neun Kommunen der ILE Main-Steigerwald (die Städte Volkach und Gerolzhofen, die Gemeinden Frankenwinheim, Lülsfeld, Oberschwarzach, Dingolshausen, Michelau, Kolitzheim Sulzheim) anstreben.

Hochwasserschutz als Gemeinschaftsaufgabe! Alle Anrainer des Flüsschens Volkach haben sich zusammengeschlossen, um von dessen Quelle im Steigerwald bis zur Mündung in der gleichnamigen Stadt in den Main ein integrales Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzept zu entwickeln, und zwar unter fachlicher Begleitung durch das Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen.

Öffentliche Vorstellung im Herbst
Zunächst wurde der Wasserhaushalt und das Abflussverhalten umfassend modelltechnisch abgebildet. Mit den Ergebnissen werden Hochwasserszenarien simuliert und bewertet. Darauf aufbauend werden mögliche Schutz- und Rückhaltemaßnahmen im Gesamteinzugsgebiet konzipiert. Erste Ergebnisse der Modellrechnungen liegen vor und werden voraussichtlich im Herbst 2022 in öffentlichen Veranstaltungen vorgestellt und erörtert.

Eine große Rolle spielt auch, die Gewässerökologie zu erhalten oder nach Möglichkeit gar zu verbessern. Es gilt, die Bodenerosion zu verringern und den natürlichen Wasserhaushalt herzustellen. Ferner werden die durch den Klimawandel zu erwartenden Veränderungen sowie ein parallel in Erarbeitung befindliches Bewässerungskonzept für die Landwirtschaft einbezogen.

Erst im vergangenen Jahr hieß es wieder mehrfach: „Land unter.“ Betroffene Bereiche und die hier aufgetretenen Probleme nehmen die Vertreter der Kommunen sowie des Wasserwirtschaftsamts und des zusätzlich beauftragten Fachbüros Hydrotec genau in den Blick. Die Planungen werden sofort den neu gewonnenen Erkenntnissen angepasst beziehungsweise entsprechend erweitert.

Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen
Ziel ist, das Niederschlagswasser in der Landschaft zurückzuhalten, um die Ortschaften vor Schäden zu bewahren. Becken in Wald und Flur auszuformen, ist eine mögliche Lösung. Ebenso, die Leistungsfähigkeit von Gräben und Bächen zu erhöhen. Hintergedanke: Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, indem in Trockenphasen das gespeicherte Nass zur Bewässerung genutzt werden kann.

Klimaschutz und Klimaanpassung als kommunale Aufgaben standen im Fokus der 14. Klimaschutzkonferenz des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, die im März 2022 in Bonn stattfand. Dort referierte unter anderem Carina Hein von der ILE Main-Steigerwald. In ihrem Vortrag „Gemeinsam Klimaresilienz stärken – interkommunale Anpassungsstrategien an Extremwetterereignisse“ präsentierte sie den Stand des aktuell laufenden Vorhabens. In den beteiligten Kommunen wurden die vorläufigen Ergebnisse und Handlungsvorschläge natürlich auch vorgestellt.

Allein für die Gemeinde Lülsfeld werden etwa 50 Maßnahmen empfohlen, berichtet Bürgermeister Heinrichs. Nun muss entschieden werden, was sich umsetzen lässt. Zwei größere Projekte im Ortsteil Schallfeld wurden zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt ins Auge gefasst. Vielleicht können noch einige weitere über „FlurNatur“ verwirklicht werden …

18.07.2022

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