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FLEXIBUS - die U-Bahn für den ländlichen Raum

© Amt der ländlichen Entwicklung

Der "Flexibus"ist ein flexibles und bedarfsorientiertes Personenbeförderungssystem, das 2009 in der Stadt Krumbach, Schwaben, (12.478 EW und VG Krumbach, 6 Gemeinden mit ca. 6.075 EW) im Landkreis Günzburg (34 Gemeinden mit 120.696 EW) als Ergänzung zum Linienverkehr eingeführt wurde. Der Flexibus wurde schrittweise im gesamten Landkreis Günzburg eingeführt. Seit 2012 wird das Modellprojekt durch das Bayerische Wirtschaftsministerium gefördert.

Anders als im Linienangebot fährt der Flexibus alle Orte im jeweiligen Flexibus-Knoten an, quer durch das Gebiet, ohne einen festen Linienfahrplan (sog. Flächenbetrieb). Die Kunden rufen bei dem Flexibus-Callcenter an und bestellen den Flexibus für die gewünschte Fahrt. Die eingehenden Fahrtwünsche werden dort registriert und soweit wie möglich gebündelt.

Das Haltestellennetz ist sehr engmaschig und ausgetüftelt. Ziel ist, dass jeder Kunde nicht mehr als 100 m Fußweg zur nächsten Haltestelle gehen muss. Für die Fahrt mit dem Flexibus zahlt der Kunde einen Tarif, der etwas höher liegt als der sonstige Tarif im öffentlichen Nahverkehr, da der zusätzliche Service (Fahrt auf Anruf, Abholung fast vor der Haustür) auch höhere Aufwendungen mit sich bringt.


Hauptziele

1. Selbstbestimmtes Mobilitätsangebot für Bürger und insbesondere für Senioren
2. Flexible Ergänzung zum bestehenden ÖPNV
3. Wirtschaftlicher ÖPNV bei geringer Verkehrsnachfrage im Vergleich zu einem entsprechenden festen Linienangebot


Inhalte

  • Flexibles und bedarfsorientiertes Personenbeförderungssystem mit barrierefreien Kleinbussen
  • Keine Bindung an feste Linien, sondern Flächenbetrieb
  • Telefonische Fahrtwunschannahme und Koordinierung über Callcenter
  • Engmaschige Bedarfshaltestellen

Meilensteine

Das Konzept hat das Busunternehmen BBS Scharpf KG entwickeltt. Das Busunternehmen betreibt auch das duzugehörige Callcenter. Die Koordination erfolgt durch den Landkreis Günzburg und durch VVM Verkehrsverbund Mittelschwaben. Es gibt sechs „Knoten“ mit jeweils eigenem Vertrag zwischen Aufgabenträger, Gemeinden, beteiligten Verkehrsunternehmen und Betreiber des Callcenters. Flexibus wird als zusätzliches Fahrplanangebot auf bestehenden Linienkonzessionen von ansässigen Verkehrsunternehmen betrieben.

Finanzielle Aspekte
  • Finanzierung durch Pilotförderung des Freistaates und durch Landkreis und Gemeinden
  • Statistiken 2014: Fahrgäste: 147.000 (Linienverkehr im Landkreis gesamt: 7,8 Millionen) Fahrleistung (= Nutzwagenkilometer): 850.000 km (Linienverkehr im Landkreis ohne Flexibus gesamt: 1.850.000 km)
    • Erforderlicher Tarifausgleich für den Flexibus (= Kosten): 650.000 €
    • Fahrgelderlöse decken 30-55% der Kosten (in den einzelnen Knoten unterschiedlich)
    • Feste Tarife nach „Waben“ gestaffelt (etwas höher als übriger ÖPNV, deutlich günstiger als Taxi)
  • Es bleibt ein Zuschussbedarf von ca. 6 € pro Einwohner/Jahr
  • Tarifzuschuss durch den Freistaat, den Landkreis Günzburg und die beteiligten Gemeinden (70% Freistaat-Pilotförderung, 15% Landkreis, 15% Städte/Gemeinden nach Einwohner – Zuschuss der Einzelgemeinden gestaffelt nach Einwohnerzahl).
  • Gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie als Modellprojekt für Mobilität im ländlichen Raum (2012-2014: als Modellprojekt 70% des erforderlichen Tarifausgleichs).
  • Weitere Förderung durch Freistaat für die Jahre 2015 (65%) und 2016 (60%) zugesagt.
  • Seit 2015: Landkreis erklärt den Flexibus zum Bestandteil des ÖPNV, der Tarifausgleich wird ausschließlich vom Landkreis übernommen, keine direkte Beteiligung der Gemeinden mehr.
  • Abrechnungsstelle für den Tarifausgleich des Flexibus ist die VVM Verkehrsverbund Mittelschwaben GmbH (rechnet mit den Betreiberunternehmen ab, Landkreis zahlt den erforderlichen Tarifausgleich an die VVM GmbH).

Mobilitätsvorteile für den Bürger
  • Komfortables Angebot durch Bedarfshaltestellen im Einzugsbereich von ca. 100 m ab Haustür
  • Flexibus als zusätzliches ÖPNV-Angebot auch abends und am Wochenende
  • Selbstbestimmte, generationengerechte Mobilität im ländlichen Raum

Knackpunkte
  • Feste Grenzen der Flexibusknoten ohne Übergang zum nächsten: Problematik wurde erkannt, wird ab Mitte 2015 im Rahmen einer Optimierung durch ein Zusatzangebot gelockert.
  • Zur Einführung des Flexibus ist gutes Marketing und sehr viel Kommunikation nötig, um Kunden zu gewinnen; Unterstützung durch die Gemeinden vor Ort ist notwendig.
  • Zusammenarbeit vieler Beteiligter wichtig, aber teils schwierig (Gemeinden, Landkreis, alle Busbetreiber, Interessensvertreter Senioren, Tourismus usw.).

Zeitliche Abfolge:
  • Idee und Vorplanung durch BBS Schapfl KG: Flexibus als geschützte Marke
  • Einführung in Stadt und VG Krumbach (2009)
  • Schrittweise Ausweitung in mehreren Knoten auf den gesamten Landkreis
  • Im Rahmen einer Pilotförderung durch den Freistaat Bayern flächendeckende Einführung im Landkreis Günzburg (2012)
  • Sehr gute Akzeptanz bei Bürgern; Der Flexibus ist inzwischen fester Bestandteil des ÖPNV Angebots und soll weiter betrieben werden


Resümee

  • Für den ländlichen Raum mit geringem Fahrgastaufkommen wirtschaftlicher als ein festes Linienangebot. Das Bedienungsgebiet sollte mindestens etwa 10.000-15.000 Einwohner haben. Genaue Abgrenzung des Gebietes ist notwendig
  • Emfehlenswert ist die Einrichtung eines Flexibus in Gebieten rund um ein Klein- bzw. Mittelzentrum als eine Art „Stadtbus“ innerhalb des Zentrums
  • Überregionale Verbindungen von Zentrum zu Zentrum sind weniger sinnvoll, um den Linienverkehr nicht zu untergraben
  • Ausführung durch ein Verkehrsunternehmen auf genehmigten Linien (PBefG), andere im Flexibusknoten betroffene Unternehmen müssen einverstanden sein
  • Notwendigkeit eines Callcenters für die Aufnahme und Verarbeitung der Fahrtwünsche (Dienstleistungsangebot überregional). Callcenterleistung wird z.B. von BBS Reisen und anderen Unternehmen angeboten
  • Das zusätzliche Flexibusangebot geht über das nach den Leitlinien zur Nahverkehrsplanung geforderte öffentliche Nahverkehrsangebot hinaus und wird auf Wunsch der beteiligten Gemeinden eingerichtet. Diese müssen sich deshalb an der Finanzierung beteiligen (Art. 19 Abs. 1 Satz 2 ÖPNVG).
  • Die beteiligten Gemeinden und Unternehmen sollten durch einen Vertrag mit dem Landkreis als Aufgabenträger das Flexibusangebot als Zusatzangebot fixieren (angebotene Zeiten für Fahrten, Callcenter, Finanzierung, Kostenanteile).
  • Für den Vertrag sind Gemeinderatsbeschlüsse und ein Beschluss des zuständigen Kreisgremiums einzuholen.
  • Vor der Inbetriebnahme des Flexibusses sind bei der zuständigen Bezirksregierung die auf den betroffenen Linien erfolgenden Fahrplanänderungen zu beantragen.

Ansprechpartner

Anita Müller, Fachbereichsleiterin
Verkehrsmanagement und Fahreignung
Landratsamt Günzburg
An der Kapuzinermauer 1
89312 Günzburg

Telefon: (0 82 21) 95-129 | Fax (0 82 21) 95-280
a.mueller@landkreis-guenzburg.de
www.landkreis-guenzburg.de/auto-und-verkehr/oepnv-bus-und-bahn/flexibus.html

Busbetreiber BBS Reisen
bbs-reisen.de/linienverkehr/flexibus/kooperation/

Juni 2015

Regierungsbezirk: Schwaben

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