Projektansicht

Kurzporträt

Fraunberg liegt 15 km östlich des Flughafens von München im oberbayerischen Landkreis Erding. Die Gemeinde Fraunberg besteht aus drei ehemals selbständigen Hauptorten und 39 Nebenorten, Weilern und Streusiedlungen.
Durch die Nähe zum Flughafen findet in den überwiegend landwirtschaftlich geprägten Ortschaften ein enormer Veränderungs- und Anpassungsdruck statt. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ging in den letzten Jahren sehr stark zurück. Seit der Einweihung des neuen Flughafens 1992 ist die Bevölkerungszahl von 2700 auf etwa 3300 Einwohner gestiegen. Die Entwicklung in den letzten Jahren konzentrierte sich auf die Hauptorte. In den Weilern ist künftig mit Überalterung und Leerständen zu rechnen. Dieser Wandel zum reinen Wohnort mit hohem Auspendleranteil bedeutet einen zunehmenden Verlust der dorftypischen Strukturen und Funktionen. Der Gemeinde war es wichtig, umfassende Lösungsstrategien zu erarbeiten.

Meilensteine

Die Sorge um die Folgen der Veränderungsprozesse am Rande des Flughafens führte dazu, dass sich in der Gemeinde eine hohe Planungsverantwortung ("kommunale Eigenverantwortung") entwickelte. Die Gemeinde steuert und gestaltet die künftige Entwicklung vorausschauend und geht dabei neue Wege. Gemeinsam mit Experten, Bürgern und Verwaltung für Ländliche Entwicklung wurde 2003 ein Gemeindeentwicklungskonzept erarbeitet und die Flächennutzungsplanung auf die zentralen Aussagen des Konzepts hin ausgerichtet. Oberste Priorität hatten dabei die Sicherung der gewachsenen Kulturlandschaft, der schonende Umgang mit Grund und Boden und die Wahrung der dörflichen und sozialen Identität.
Weitere Meilensteine sind:
  • Klausurtagungen an der Schule der Dorf- und Landentwicklung (2003, 2006, 2015)
  • Gründung eines neuen Beteiligungsmodells in Form des Vereins "Gemeindeentwicklung Fraunberg e.V.", das alle gesellschaftlichen Gruppen einbindet und viele Handlungsfelder umfasst
  • Einrichtung einer von der Gemeinde unabhängigen Koordinierungsstelle für die Gemeindeentwicklung als Anlaufstelle für Projektgruppen und private Initiativen
  • Professionelle Begleitung des Gesamtprozesses
  • Änderung des Flächennutzungsplanes, um die typische Siedlungsstruktur zu erhalten. Neben der Landwirtschaft sollen sich auch Handwerk und Gewerbe in den Weilern entwickeln können.
  • Flächendeckender Einsatz des Instruments "einfacher Bebauungsplan" im Rahmen der kommunalen Bauleitplanung zur Sicherung der dörflichen und sozialen Funktionen in allen Ortschaften
  • Einführung der neuen Bauflächenkategorie "wertvolle Kulturlandschaft" bzw. "prägende Siedlungselemente in der Kulturlandschaft"; daraus ergibt sich ein dreigliedriges System von Gebietskategorien für die Weiterentwicklung:
    • Nutzungsänderung in der vorhandenen Bausubstanz
    • Maßvolle Weiterentwicklung und Ersatzbauten
    • Erhebliche Neuentwicklung
  • Streichung dargestellter Gewerbeflächen, dafür Nutzung von Baulücken und leerstehenden Gebäuden in den Ortschaften
  • Leerstandsmanagement mit Hilfe eines gemeindeweiten Gebäude- und Flächenmarktes
  • Neugestaltung der Ortsmitte von Grucking im Rahmen des „Verfahrens Gemeindeentwicklung Fraunberg" (Abschluss 2012)
  • Gründung einer Projektgruppe „JAa!“ – Jung und Alt aktiv in der Gemeinde Fraunberg
  • Erstellung des Bebauungs- und Grünordnungsplan „Ortsmitte Fraunberg“ mit dem Schwerpunkt Innenentwicklung (2013)
  • Erwerb der notwendigen Flächen durch die Gemeinde
  • Gestaltung der neuen Dorfmitte mit Bürgerhaus, Nahversorgungsangeboten, Arztpraxen und Beteuungsangeboten für Jung und Alt
  • Einweihung des Gemeindezentrums (Dez. 2016)
  • Öffentliche Anerkennung:
    • Erster Preisträger im Wettbewerb "Zukunftsfähige Landnutzung in Bayerns Gemeinden" (2005)
    • Prämierung im Rahmen des Aktionsprogramms "Dorf vital" in der Kategorie "Dörfer mit vielfältigen Ansätzen zur Vitalitätsverbesserung und erfolgversprechenden Entwicklungsprozessen" (2006)
    • Verleihung des Gütesiegels „Nachhaltige Bürgerkommune Bayern“ vom Bayer. Umweltminister für drei Jahre (2011)
    • Sieger im bundesweiten Wettbewerb" Kerniges Dorf! Ortsgestaltung durch Innenentwicklung" (2014)
    • Ländliche Entwicklung in Bayern: Staatspreis Land- und Dorfentwicklung (2016)

Resümee

Durch die Entwicklung des Flughafenumfeldes und dem damit verbundenen Strukturwandel drohte der Verlust der Dorfstrukturen und der gewachsenen Kulturlandschaft. Dieser Entwicklung konnte durch verantwortungsvolle Planung und konsequentes Handeln mit den vorhandenen kommunalen Steuerungsinstrumenten Einhalt geboten werden. Die Gemeinde stärkt die Ortskerne und achtet auf eine verträgliche Entwicklung aller Ortsteile. Gerade durch die neue baurechtliche Regelung prägender oder bestehender Siedlungselemente und die bewusste Orientierung an den Aussagen des Leitbildes wird "Wildwuchs" vermieden und die identitätsstiftende Kulturlandschaft gesichert. Mehrere ehemalige landwirtschaftliche Anwesen konnten bereits für kleine dorfverträgliche Gewerbebetriebe umgenutzt werden. Beispielgebend und modellhaft sind die Rahmenbedingungen und Strukturen, die die Gemeinde zur aktiven Bürgerbeteiligung geschaffen hat. Eine überzeugende Ideenvielfalt entspringt dem eigens gegründeten Gemeindeentwicklungsverein und der starken Beteiligung der Bürger.
Die Rücknahme von Gewerbegebietsausweisungen trägt dazu bei, die traditionellen Siedlungsstrukturen zu sichern und die reichhaltige Kulturlandschaft zu erhalten. Die Gemeinde setzt auf eine vorausschauende Gesamtstrategie sowie qualitätvolle Planung und Baukultur unter Einbindung der Bürger. In diesem Sinne wird die Ortsmitte von Fraunberg neu gestaltet und zum Zentrum weiterentwickelt. Das neue moderne Gemeindezentrum ist bereits umgesetzt. Die Tendenz hin zu einem Mehr an kommunaler Eigenverantwortung und stärkerer Selbstverwaltung zieht sich konsequent durch das gesamte Gemeindeleben von Fraunberg hindurch.

Ansprechpartner

1. Bürgermeister Hans Wiesmaier
Schulstraße 1
85447 Fraunberg

Tel.: 0 87 62 / 73 20 0
Fax: 0 87 62 / 73 20 99
info@fraunberg.de
www.fraunberg.de

Kernthema: Innenentwicklung und Flächenmanagement

Mit dem Entwicklungs- und Handlungskonzept verfolgte die Gemeinde das Ziel, ihre Identität zu wahren und in einer zeitgemäßen Form weiterzuentwickeln, um eine ökologisch, soziokulturell und ökonomisch nachhaltige Entwicklung in allen 42 Ortsteilen sicher zu stellen.

Visionen & Ziele von Bürgern und Gemeinde

  • Sicherung der gewachsenen Kulturlandschaft und einer intakten (Land-) Wirtschaft durch eine nachhaltige Siedlungs- und Landschaftsentwicklung
  • Schonender Umgang mit der Ressource Grund und Boden
  • Leben und Arbeiten im gesamten Gemeindegebiet
  • Vermeiden von leerstehenden und wenig genutzten Gebäuden und Flächen; intelligente Nachnutzung und qualitätvolle Architektur
  • Stärkung der sozialen Netzwerke besonders im Hinblick auf die vielen Neubürger
  • Entwicklung einer Bürgerbeteiligungskultur
  • Entwicklung des Hauptortes Fraunberg zum Zentrum der Gemeinde
  • Umgestaltung des Dorfplatzes
  • Stärkung von Identität und Lebensqualität vor Ort
  • Gewährleistung der Grundversorgung

Bedeutende Maßnahmen und Aktivitäten

  • Aktive Mitarbeit vieler Bürger im Verein "Gemeindeentwicklung Fraunberg". Der Verein dient als Anlaufstelle für die Projektgruppen und für die privaten Initiativen.
  • Vorbereitung von Aktionen und Maßnahmen durch zeitlich befristete Projektgruppen
  • Aufbau eines internetbasierten "Gebäude- und Grundstücksmarktes"
  • Umnutzung landwirtschaftlicher Betriebe in dorfgerechte Gewerbe- bzw. Handwerksbetriebe
  • Abbruch eines leerstehenden Hofes im Ortskern von Grucking und Ausweisung von vier Bauplätzen
  • Neugestaltung des Gruckinger Dorfplatzes mit Spielplatz und multifunktionalem Buswartehaus
  • Aktivierung des Dorflebens durch die "Gruckinger Eiszeit" - ein Grundstück wird im Winter von der Feuerwehr geflutet und steht für den Eissport zur Verfügung. Die Einnahmen aus der "Eiszeit" kommen dem Dorfplatz zugute.
  • Kauf eines leerstehenden Anwesens in Fraunberg westlich der Kirche durch die Gemeinde für künftige öffentliche Nutzungen und um die Durchlässigkeit zur Flussaue (Schloss, Freizeit- und Gemeinschaftseinrichtungen) zu sichern
  • Aufstellen eines Bebauungsplans für Fraunberg als Grundlage für weitere Planungen im Rahmen des erarbeiteten ortsräumlichen Konzepts
  • Stärkung der Ortskerne in allen Ortsteilen; qualitätsvoller Neubau der Aussegnungshalle in Reichenkirchen
  • Zukunftswerkstatt Ortsmitte Fraunberg (ab November 2012)
  • Umgestaltung des Fraunberger Dorfplatzes zum multifunktionalen Aufenthalts- und Erlebnisbereich für die Bürger; gefahrlose Straßenquerung und das gleichberechtigte Miteinander von Verkehr und Aufenthalt muss durch geeignete Maßnahmen sichergestellt sein; Sicherung der platzbegrenzenden Gebäude und Unterbringung von Versorgunseinrichtungen (z.B. Läden)
  • Schaffung einer Verbindung zwischen Dorfplatz, zentralen Einrichtungen (Kirche, Wirtshaus, neues Dorfgemeinschaftshaus) und den Freizeit- und Gemeinschaftseinrichtungen auf der westlichen Seite der Flussaue in Fraunberg
  • Bauliche Maßnahmen zur Nahversorgung in Fraunberg: Lebensmittel, Bank, Bürgersaal, Bürgertreff, Neubau Rathaus.

Erfolg

Die gelungene Kooperation von Gemeinde und Bürgern gewährleistet eine nachhaltige Innerortsentwicklung in der Gemeinde. Durch die Einbindung der Bürger im Vorfeld von Maßnahmen wurde die Selbstverantwortung gestärkt und ein positives Klima für Alt- und Neubürger geschaffen.


Kernthema: Wirtschaft

Eine nachhaltige Siedlungs- und Landschaftsentwicklung soll das Leben und Arbeiten in allen 42 Ortsteilen, Weilern und Einzelhofanlagen erhalten bzw. weiterentwickeln.

Visionen & Ziele von Bürgern und Gemeinde

  • Schonender Umgang mit der Ressource Grund und Boden
  • Sicherung der Landwirtschaft
  • Umnutzung von leerstehenden Gebäuden
  • Stärkung ortsnaher Dienstleistungen, Handwerks- und Kleinbetriebe
  • Stärkung der sozialen Netzwerke besonders im Hinblick auf die vielen Neubürger
  • Entwicklung einer Bürgerbeteiligungskultur

Bedeutende Maßnahmen und Aktivitäten

  • Änderung des Flächennutzungsplanes zur Eindämmung des Flächenverbrauchs
  • Zurücknahme von Gewerbegebietsausweisungen zugunsten einer angepassten baulichen Entwicklung in den Ortschaften
  • Aufbau neuer Wohn- und Wirtschaftsstrukturen im Einklang mit der Landwirtschaft
  • Aufbau eines internetbasierten "Gebäude- und Grundstücksmarktes" zur Vermittlung und Weiternutzung von Gebäuden und Flächen
  • Bodenordnerische Maßnahmen zur Sicherung neuer Wohn- und Arbeitsformen

Erfolg

In Folge der Änderung des Flächenutzungsplanes wird der Flächenverbrauch eingedämmt. In den Dörfern und Weilern entstehen zeitgemäße und der Situation angepasste Formen von Wohnen und Arbeiten. Mehrere kleine Gewerbebetriebe konnten bereits in der vorhandenen Bausubstanz angesiedelt werden.


Kernthema: Miteinander

Aus der 2012 gegründeten Projektgruppe zum Thema Seniorenarbeit entwickelte sich 2014 die Nachbarschaftshilfe „JAa! e.V.“. Die Abkürzung ergibt sich aus dem ausgeschriebenen Titel „Jung und alt aktiv“ und trägt unter dem Motto „Gemeinsam älter werden in der Gemeinde Fraunberg“ zu einer Aufwertung des gemeinschaftlichen Lebens im Ort bei.

Entwickelt wurde die Initiative zur Förderung von Miteinander und Füreinander in der Gemeinde sowie zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls.

Visionen & Ziele von Bürgern und Gemeinde

  • Verbesserung der Lebensqualität für alle Altersgruppen
  • Förderung und Pflege von (generationenübergreifenden) Kontakten
  • Stärkung der Dorfgemeinschaft und der sozialen Netzwerke
  • Förderung des bürgerschaftlichen Engagements
  • Unterstützung von Familien, Jugendlichen und Senioren
  • Entlastung pflegender Angehöriger
  • Integration bestehender Freizeitangebote
  • Entwicklung einer Willkommenskultur

Bedeutende Maßnahmen und Aktivitäten

  • Abstimmung von Hilfsangebot und Nachfrage
  • Besuchsdienst für alte oder hilfsbedürftige Personen
  • Begleitung bei Behördengängen, Arztbesuchen etc.
  • Hilfe bei Schreibarbeiten (Bsp. Ausfüllen von Formularen)
  • Haushaltshilfe, Familienhilfe und Kinderbetreuung im Krankheitsfall und in Notfällen
  • Kleinere Reparaturhilfen im Haushalt, Hilfe bei Gartenarbeiten oder Grabpflege
  • Fahrdienste oder Einkaufshilfen
  • Freizeitangebote:
    • Lesecafé
    • Mal- und Bastelgruppen, Handarbeiten
    • Tagesunternehmungen
    • Vorträge
  • Hausaufgabenbetreuung
  • Integration der Asylsuchenden in das Gemeindeleben

Erfolg

Die Nachbarschaftshilfe „JAa! e.V.“ wird von den Bürgerinnen und Bürgern gut angenommen. Sie trägt durch die Schaffung und Festigung von Gemeinschaftsstrukturen zur Verbesserung der Lebensqualität in Fraunberg bei. Das Miteinander der Generationen wurde sichtbar aufgewertet.


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