Projektansicht

Kurzporträt

Obbach ist ein Ortsteil der Gemeinde Euerbach im Landkreis Schweinfurt in Unterfranken. Die Gemeinde hat etwa 3100 Einwohner und besteht aus den Dörfern Obbach, Euerbach und Sömmersdorf. Obbach mit seinem verdichteten, typisch fränkischen Ortskern war geprägt von der Überlastung der Hauptstraße mit Durchgangsverkehr, Abwanderung der Bevölkerung und Überalterung im Ortskern. Zudem führte die Abnahme der landwirtschaftlichen Betriebe zu weiteren Leerständen und ungenutzten Nebengebäuden. Es drohte das Wegbrechen der Funktionen Handwerk, Gewerbe, Gastronomie und Einzelhandel. Dies erforderte neue Denkansätze und Handlungsstrategien.

Meilensteine

Die Grundlage für die erfolgreiche Dorferneuerung wurde bereits in den 90er Jahren gelegt. Die Gemeinde hat durch verschiedene Beschlüsse zur Wahrung der traditionellen fränkischen Baukultur erste Erfolge zu verzeichnen. Neben der Bewusstseinsbildung entwickelte sich eine gemeinsame Identität zwischen den einzelnen Ortsteilen, dies verdeutlicht das Motto "Drei Dörfer – eine Gemeinde". Mit der Anordnung der Dorferneuerung war nun die ideale Plattform zur Lösung der bestehenden und sich abzeichnenden Probleme vorhanden.

Weitere Meilensteine sind:
  • Besuch eines Seminars an der Schule der Dorf- und Flurentwicklung Klosterlangheim zur Vorbereitung auf die Dorferneuerung
  • Erstellung eines integrierten Maßnahmenplanes mit Bürgerbeteiligung
  • Wahrnehmung der Planungsverantwortung durch den "Gemeinderatsbeschluss zur Innenentwicklung": weitgehender Verzicht auf die Ausweisung von Neubaugebieten in allen Ortsteilen
  • Etablieren eines konsequenten Flächenmanagements als innovatives Entwicklungskonzept
  • Teilnahme am Forschungs- und Entwicklungsvorhaben "Innenentwicklung in ländlichen Gemeinden"; Durchführung des Vitalitätschecks zur Erfassung, Bewertung und Aktivierung innerörtlicher Potentiale
  • Modellprojekt "Bauhütte" – ein Musterhaus, das als Bauberatungszentrum für Sanierungen und ortstypische Konstruktionen dient und Beispiele für modernes, kostengünstiges Bauen zeigt (www.bauhuette-obbach.de)
  • Begleitung des Pilotprojekts durch ein professionelles Planungsbüro
  • Kooperation und Weiterführung der Strategien zur Innenentwicklung in der "Interkommunalen Allianz Oberes Werntal" (www.oberes-werntal.de)
  • Öffentliche Anerkennung:
    • Auszeichnung im Wettbewerb "Dorf vital" in der Kategorie "Dörfer mit vielfältigen Ansätzen zur Vitalitätsverbesserung"
    • Sonderpreis des bayerischen Staatspreises in der Kategorie Initiativen, Planungs- und Entwicklungsprozesse (2012)

Resümee

Mit der Umsetzung dieser Maßnahmen zeigt Obbach beispielhafte Ansätze zur baulichen und sozialen Innenentwicklung. Die Gemeinde hat in besonderer Verantwortung dazu beigetragen, die Funktionsvielfalt in Obbach und in der Gesamtgemeinde zu sichern. So wurde ein vitales Dorf ganz im Zeichen der fränkischen Baukultur geschaffen. Mit dem Projekt "Bauhütte" wurde ein überregional bedeutendes Musterhaus erstellt. Es zeigt beispielhaft, wie mit dem örtlichen Handwerk und mit Eigenleistungen kostengünstiges Sanieren und Bauen in historischen Ortkernen als Alternative zum "Bauen auf der grünen Wiese" erfolgen kann. Die Drei-Dörfer-Gemeinschaft hat ihre Ideen und Strategien zur Innenentwicklung in die interkommunale Allianz "Oberes Werntal" und in den Landkreis Schweinfurt erfolgreich weiter getragen.

Ansprechpartner

1. Bürgermeister Arthur Arnold
Rathausplatz 1
97502 Euerbach

Tel.: 0 97 26 / 91 55 23
arnold@euerbach.de
www.euerbach.de

Kernthema: Innenentwicklung

Obbach hat sich zusammen mit der Drei-Dörfer-Gemeinschaft dem Erhalt und der Weiterentwicklung der typisch fränkischen Baukultur verschrieben. Hauptziel ist die Revitalisierung der historischen Ortskerne durch Sanierung und Umnutzung und somit die Entwicklung eines attraktiven Wohn- und Arbeitsstandortes.

Visionen & Ziele von Bürgern und Gemeinde
  • Innenentwicklung und Ortskernrevitalisierung als Zukunftsaufgabe
  • Zukunftsorientiertes und konsequentes Flächenmanagement
  • Innenentwicklung vor Außenentwicklung
  • Nutzung von Potentialen im Sinne der Nachhaltigkeit
  • Entwickeln von Strategien und Möglichkeiten zur Umnutzung historischer Bausubstanz im Altort; Demonstration moderner und innovativer Neubau- und Sanierungsmaßnahmen am Beispiel der "Bauhütte" (Musterhaus) unter Einbeziehung der ortsansässigen Handwerksbetriebe
  • Koordination und Abstimmung des Flächenmanagements mit den Nachbargemeinden

Bedeutende Maßnahmen und Aktivitäten
  • Modellprojekt "Bauhütte" als Ausstellungs- und Demonstrationsgebäude auf einer ehemaligen Hofstelle im Ortskern, bestehend aus:
    • exemplarisch renoviertem Altbau und
    • kostengünstigem Neubau als Beispiel für Innenentwicklung
  • Schaffung eines Dorfplatzes in zentraler Lage durch Abbruch eines nicht schützenswerten Wohnhauses mit bodenordnerischen Maßnahmen
  • Öffnung des verrohrten Baches
  • Umbau einer vorhandenen Scheune zum Feuerwehrhaus
  • Verbesserung der Verkehrssituation durch Optimierung der Verkehrsführung und durch gestalterische Maßnahmen
  • Nutzungskonzept zur Sanierung der alten Schule und des Rathauses
  • Intensive Bürgerbeteiligung und Öffentlichkeitsarbeit

Erfolg

In Obbach ist es gelungen, die demographischen und baulichen Tendenzen und den drohenden Identitätsverlust zu stoppen und das Dorf durch ein nachhaltiges Flächenmanagement zu stärken und zu revitalisieren. Durch die Dorferneuerung und das Projekt „Bauhütte“ wurden Wege gezeigt, wie nach modernsten Standards im Ortskern gebaut werden kann.

Kernthema: Interkommunale Zusammenarbeit "Oberes Werntal"

Die Gemeinde Euerbach hat die Erkenntnisse und Strategien zur Innenentwicklung erfolgreich in die Interkommunale Allianz Oberes Werntal und die Leader-Region im Landkreis Schweinfurt integriert. Das Obere Werntal (www.oberes-werntal.de) umfasst 10 Gemeinden mit 51.000 Einwohnern und führte seine gemeindeübergreifenden Entwicklungsaktivitäten in ein "Integriertes ländliches Entwicklungskonzept" (ILEK) über. 2007 wurde die Interkommunale Allianz "Oberes Werntal" zum Modellprojekt "Flächenmanagement in interkommunaler Zusammenarbeit" des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz ausgewählt. Die Untersuchung ergab, dass es in den damaligen neun Gemeinden 250 Hektar innerörtliche Bauflächen gibt, und das bei einem Baulandbedarf von nur 25 Hektar bis 2020. Eine Aktualisierung des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepts fand 2015 statt.

Visionen & Ziele von Bürgern und Gemeinden

Die Gemeinden kooperieren in folgenden Bereichen:
  • Gewerbe, Infrastruktur, regionales Marketing, Siedlung
  • Naherholung, Freizeit, Kultur und Soziales
  • Dorf- und Flurentwicklung, Gewässer- und Kulturlandschaftspflege

Bedeutende Maßnahmen und Aktivitäten
  • Entwicklung eines gemeinsamen Konzepts zum "Flächenmanagement in interkommunaler Zusammenarbeit", Ermittlung detaillierter Daten über Baulücken, Brachflächen sowie leerstehende Gebäude in allen Gemeinden
  • Gemeinsame Erklärung aller Bürgermeister zu Innenentwicklung und Flächenmanagement im Oberen Werntal
  • Erprobung eines gemeindeübergreifenden Flächenmanagements
  • Lenkung der baulichen Entwicklung nach Innen, dadurch Aktivierung der Innenentwicklungspotentiale
  • Erstellen eines Gewässerentwicklungsplanes und eines Radwegenetzes
  • Ausweisen eines interkommunalen Gewerbegebiets
  • Aufnahme der interkommunalen Zusammenarbeit in das Modellprojekt "Flächenmanagement in interkommunaler Zusammenarbeit" durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (StMUGV). Das Modellprojekt FLIZ ist inzwischen abgeschlossen
  • Steigerung des Bekanntheitsgrades durch ein professionelles Regionalmarketing
  • Koordination aller Aktivitäten mittels eines Regionalmanagements
  • Aktualisierung des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepts Oberes Werntal (2015)
  • Organisation eines alle 2 Jahre stattfindenden "Tag der Innenentwicklung im Oberen Werntal" (Seit 2012)

Erfolg

Durch das Regionalmarketing konnte der Bekanntheitsgrad und das Image der Region verbessert werden. Die Realisierung von Maßnahmen führte zu ersten Strukturverbesserungen und Synergien, insbesondere im Hinblick auf die Siedlungs- und Innenentwicklung. Alle gemeindeübergreifenden Projekte, die in Kooperation mit verschiedenen Partnern entwickelt wurden, lösen Win-Win-Situationen aus. Dadurch festigen sich das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Erkenntnis, gemeinsam "etwas bewegen zu können".

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