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Kurzporträt

Die Gemeinde Ringelai mit rund 2000 Einwohnern liegt im niederbayerischen Landkreis Freyung-Grafenau und besteht aus 12 Ortsteilen. Die Gemeinde liegt im Nationalpark Bayerischer Wald und befindet sich ca. 10 km westlich der Kreisstadt Freyung und etwa 40 km nördlich von Passau. Ringelai ist ein staatlich anerkannter Erholungsort und wird wegen seines guten Klimas auch „Meran des Bayerischen Waldes“ genannt.
Bereits seit den 1970er Jahren hatte Ringelai unter den Auswirkungen des fortschreitenden landwirtschaftlichen Strukturwandels und des demografischen Wandels zu leiden. Geringe Geburtenraten, Überalterung und Abwanderung der jungen, erwerbsfähigen Bevölkerung führten zur Schließung einiger Betriebe und Daseinsvorsorgeeinrichtungen. Die dörflichen Strukturen lösten sich immer weiter auf und das kulturelle Leben kam zum Stillstand, bis kaum mehr ein Gemeinschaftsgefühl unter den Dorfbewohnern bestand. Die Gemeinde wollte diese Abwärtsspirale stoppen und leitete vor rund 25 Jahren den Prozess der Dorferneuerung ein. Dieser dauert bis heute an und hat sich zu einer beispielhaften ganzheitlichen Gemeindeentwicklung mit intensiver aktiver Bürgerbeteiligung ausgeweitet.

Meilensteine

Die Anordnung der Dorferneuerung im Jahr 1990 erzeugte in der Gemeinde Ringelai eine Aufbruchsstimmung. Mit einer damals beispiellosen Intensität beteiligten sich die Bürger an der Planung und stellten damit die zukünftige Gemeindeentwicklung auf eine breite Basis.

Weitere Meilensteine waren:
  • Motivation der Bürger durch Informationsveranstaltungen und Bürgerwerkstätten
  • Durchführung einer Bestandserhebung und -bewertung durch intensive Mitarbeit der Bürger in Arbeitskreisen
  • Kompetenzentwicklung in Seminaren der Schulen der Dorf- und Landentwicklung in Thierhaupten und Plankstetten: Bürger bildeten sich fort und wurden selbst zu Experten der Dorferneuerung
  • Erweiterung der Dorferneuerung von ursprünglich 5 auf alle 10 Dörfer im Gemeindegebiet; damit Vernetzung der Dörfer und Übergang von der Dorferneuerung zur ganzheitlichen Gemeindeentwicklung (1996)
  • Bildung eines Dorferneuerungsausschusses als Verbindungselement zwischen Gemeinderat und Teilnehmergemeinschaft zum Zwecke eines unmittelbaren Wissensaustausches zwischen den Entscheidern
  • Entstehung der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) „Ilzer Land“ mit Ringelai als Gründungsmitglied (2005) (ausführliche Projektbeschreibung auf SDL-INFORM)
  • Mitwirkung im „Aktionsprogramm Bayerwald“, einem regionalen Netzwerk von Akteuren im ländlichen Raum (ausführliche Projektbeschreibung auf SDL-INFORM)
  • Realisierung von insgesamt 16 Geh- und Radwegeprojekten inkl. Themenwegen im Gemeindegebiet zur besseren Vernetzung der Ortsteile und zur Steigerung des Naherholungswertes
  • Einrichtung von Dorfhäusern (z.B. „Schroi-Haus“ in Wasching, „Hoarhaus“ in Poxreut, Dorfhaus Wamberg, Dorfräume Neidberg) sowie eines gemeinschaftlichen Backofens in Wasching auf der Grundlage von Nutzungskonzepten, die von den Ortsbewohnern erstellt wurden
  • Ausrichtung der 10. Bayerischen Dorfkulturtage (2009)
  • Erarbeitung und Umsetzung eines integrierten Energiekonzepts im Hinblick auf Energieeffizienz und Nutzung erneuerbarer Energien (2012 bis 2018)
  • Erarbeitung eines vertieften Mobilitätskonzepts zur Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs im Hinblick auf die fortschreitende demografische Entwicklung
  • Öffentliche Anerkennung: Europäischer Dorferneuerungspreis 2014 in der höchsten Kategorie „Ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität“

Resümee

In der Gemeinde Ringelai wurde seit Anfang der 1990er Jahren ein umfassender Gemeindeentwicklungsprozess im Hinblick auf Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit vollzogen. Die starke Vernetzung der Gemeinde in der Region war und ist beispielhaft. Eine weitere Vorbildfunktion erfüllt Ringelai hinsichtlich der intensiven aktiven Bürgerbeteiligung bereits am Anfang der Dorferneuerung: Die Einbindung der Bevölkerung in gemeindliche Entwicklungsprozesse wurde hier schon früh als unabdingbar erkannt, um die Planung transparent zu machen und dadurch die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen.
Die Gemeinde ist der festen Überzeugung, dass eine nachhaltige Zukunftsentwicklung nur mit Hilfe interkommunaler Zusammenarbeit gelingen kann. Ringelai ist Gründungsmitglied der ILE „Ilzer Land“ und hat sich dem regionalen Netzwerk „Aktionsprogramm Bayerwald“ angeschlossen.
Die hohe Auszeichnung mit dem Europäischen Dorferneuerungspreis 2014 honoriert die kreativen und auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Projekte in Ringelai, die für eine zeitgemäße und zukunftsorientierte Gemeindeentwicklung stehen.

Ansprechpartner

1. Bürgermeister Maximilian Köberl
Pfarrer-Kainz-Str. 6
94160 Ringelai

Tel.: 0 85 55 / 96 14-17
Fax: 0 85 55 / 96 14-18
bgm.koeberl@ringelai.bayern.de
www.ringelai.de

Kernthema: Innenentwicklung

Die Gemeinde Ringelai verfolgt Strategien einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung und Infrastrukturausstattung. Sie ist sich der fortschreitenden Veränderungen in der Altersstruktur der ländlichen Bevölkerung bewusst und passt ihren Gebäude- und Flächenbestand dementsprechend an.

Visionen & Ziele von Bürgern und Gemeinde
  • Verbesserung der Standortbedingungen für Wohnen, Handel und Gewerbe in den Ortszentren
  • Belebung und attraktive Gestaltung der Ortskerne
  • Sanierung kultureller Einrichtungen und Revitalisierung historisch wertvoller Bausubstanz
  • Vermeidung von Leerständen und Reduzierung der Flächenversiegelung
  • Verkehrsberuhigung in zentralen Ortslagen
  • Wiederbelebung kultureller Dorftraditionen
  • Stärkung des sozialen Zusammenhalts der Dorfbevölkerung

Besondere Maßnahmen und Aktivitäten
  • Einsatz der Instrumente „Vitalitäts-Check zur Innenentwicklung“ und Flächenmanagement-Datenbank zur Bestandserfassung und Analyse der Innenentwicklungspotenziale
  • Gründung einer „Lenkungsgruppe Innenentwicklung“ im Rahmen der ILE „Ilzer Land“ zur Vermarktung von Schlüsselprojekten und Leerständen in Kooperation mit regionalen Banken
  • Umgestaltung von Straßenräumen und Plätzen zur Steigerung der Attraktivität
  • Realisierung von insgesamt 16 Geh- und Radwegeprojekten inkl. Themenwegen im Gemeindegebiet zur besseren Vernetzung der Ortsteile und zur Steigerung des Naherholungswertes
  • Sanierung und Neubau von Dorfkapellen
  • Einrichtung von Dorfhäusern (z.B. „Schroi-Haus“ in Wasching, „Hoarhaus“ in Poxreut, Dorfhaus Wamberg, Dorfräume Neidberg) sowie eines gemeinschaftlichen Backofens in Wasching: Die Bürger erarbeiteten selbst die Nutzungskonzepte und bauten teils in umfangreicher Eigenleistung leerstehende Gebäude um.

Erfolg

Im Zuge der Dorferneuerung ist es der Gemeinde Ringelai größtenteils gelungen, Gebäudeleerstände in den Dörfern zu vermeiden und Flächenversiegelungen zu reduzieren. Es wurden attraktive und lebenswerte Ortskerne und Treffpunkte geschaffen, die insbesondere junge Familien mit Kindern darin bestärken, sich für Ringelai als Wohnstandort zu entscheiden.

Kernthema: Interkommunale Zusammenarbeit

In Ringelai reifte sehr früh die Erkenntnis, dass eine erfolgreiche Zukunft der Gemeinde nur über interkommunale Strategien zu erreichen ist.

Visionen & Ziele von Bürgern und Gemeinde
  • Intensive Beteiligung der Bürgerschaft
  • Verbesserung der Zusammenarbeit auf Verwaltungsebene
  • Gemeinsame Jugend- und Seniorenarbeit
  • Aufbau einer übergemeindlichen touristischen Infrastruktur
  • Erreichen einer nachhaltigen Mobilität für alle Bürger
  • Umsetzung des integrierten Energiekonzepts

Besondere Maßnahmen und Aktivitäten
  • Gründung des Vereins „Ilzer Land e.V.“ mit Ringelai als Gründungsmitglied (2005); die vorbildhafte kommunale Allianz „Ilzer Land“ ist als Modellprojekt auf SDL-INFORM ausführlich beschrieben.
  • Mitwirkung im „Aktionsprogramm Bayerwald“, einem regionalen Netzwerk von Akteuren im ländlichen Raum, welches auf SDL-INFORM ausführlich beschrieben ist
  • Erstellung eines Mobilitätskonzepts für die ILE „Ilzer Land“ mit dem Ziel, auch die ÖPNV-Situation für Ringelai zu verbessern
  • Federführende Zuständigkeit der Gemeinde Ringelai in der ILE „Ilzer Land“ in den Handlungsfeldern „Energie“ und „Demografie - Innenentwicklung - Flächenmanagement“
  • Mitgliedschaft der Gemeinde Ringelai im Jugendnetzwerk und im Seniorennetzwerk der ILE „Ilzer Land“ mit dem Ziel, Bildungs- und Freizeitangebote für die jeweilige Altersgruppe über Gemeindegrenzen hinweg bereitzustellen
  • Mitgliedschaft der Gemeinde Ringelai im Unternehmensnetzwerk der ILE „Ilzer Land“: Zusammenschluss von über 60 Unternehmen mit dem Ziel, regionale Wirtschaftskreisläufe zu stärken, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und Unternehmensgründer zu unterstützen
  • Mitgliedschaft der Gemeinde Ringelai in der „Arbeitsgemeinschaft Ilztal und Dreiburgenland“ mit dem Ziel der touristischen Gebietsvermarktung und Aufbau einer effizienten Struktur für eine zukunftsfähige Tourismusregion
  • Erarbeitung und Umsetzung eines integrierten Energiekonzepts im Hinblick auf Energieeffizienz und Nutzung erneuerbarer Energien (2012 bis 2018)

Erfolg

Durch die übergemeindliche Zusammenarbeit im Rahmen der ILE „Ilzer Land“ und im „Aktionsprogramm Bayerwald“ können Maßnahmen gebündelt und zukunftsweisende Projekte initiiert werden, von denen die beteiligten Gemeinden wie Ringelai profitieren. Ringelai engagiert sich in zahlreichen regionalen Arbeitsgemeinschaften und Netzwerken, um sich beispielsweise in der touristischen Gebietsvermarktung, bei der Ortskernentwicklung oder im Bereich erneuerbare Energien zukunftsfähig zu positionieren.

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